Der Vergleich in der Tabelle
| ETF-Sparplan (freies Depot) | Altersvorsorgedepot | |
|---|---|---|
| Staatliche Zulagen | keine | bis 540 € + 300 €/Kind + 200 € Bonus |
| Steuern beim Ansparen | Vorabpauschale, Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen | komplett steuerfrei |
| Umschichten | löst Steuer auf Gewinne aus | steuerfrei |
| Steuern bei Auszahlung | Abgeltungsteuer ~26,4 % auf Gewinne (mit 30 % Teilfreistellung bei Aktienfonds) | nachgelagert, individueller Steuersatz auf volle Auszahlung |
| Verfügbarkeit | jederzeit, in voller Höhe | gebunden bis 65 (sonst Förder-Rückzahlung) |
| Anlageuniversum | unbegrenzt | Positivliste zulässiger Anlagen |
| Produktkosten | oft 0 € Depotgebühr + ETF-Kosten | anbieterabhängig, Standarddepot max. 1,0 % p.a. |
| Pfändungs-/Grundsicherungsschutz | nein | ja, für gefördertes Vermögen |
Was für das Altersvorsorgedepot spricht
Erstens die Zulagen: 50 % Förderung auf die ersten 360 € und 25 % bis 1.800 € sind eine sofortige, risikolose „Rendite“, die kein freies Depot bieten kann. Bei 150 € monatlicher Sparrate fließen jedes Jahr 540 € extra ins Depot – Geld, das über Jahrzehnte mitverzinst wird (alle Fördersätze im Detail).
Zweitens die Steuerstundung: Im freien Depot knabbert der Fiskus laufend mit – über die jährliche Vorabpauschale und die Abgeltungsteuer auf Ausschüttungen und bei jedem Verkauf. Im Altersvorsorgedepot passiert in der Ansparphase steuerlich: nichts. Auch Umschichtungen – etwa in günstigere ETFs oder zur Risikoabsenkung vor der Rente – bleiben steuerfrei (zur kompletten Steuerlogik).
Drittens der Schutz: Gefördertes Altersvorsorgevermögen ist pfändungssicher und wird bei Bürgergeld- oder Grundsicherungsbezug nicht angerechnet. In der Rentenphase gibt es zudem einen Freibetrag bei der Grundsicherung. Das freie Depot bietet nichts davon.
Was für den ETF-Sparplan spricht
Flexibilität ist der Trumpf des freien Depots: Du kommst jederzeit an dein Geld – für das Eigenheim, eine Selbstständigkeit oder einen Notfall. Das Altersvorsorgedepot ist dagegen ein Zweckvehikel: Wer vor 65 außerplanmäßig entnimmt, muss Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen („schädliche Verwendung“).
Auch bei der Anlagefreiheit liegt das freie Depot vorn: Einzelaktien, exotische ETFs, Krypto-ETPs – alles möglich, während im Altersvorsorgedepot nur Anlagen von der gesetzlichen Positivliste zulässig sind. Und bei der Auszahlung entscheidest du im freien Depot allein; im Fördersystem gelten die Regeln der Auszahlphase (Leibrente oder Auszahlungsplan, max. 30 % Einmalentnahme).
Schließlich die Kosten: Neobroker bieten Depots ohne Grundgebühr, Welt-ETFs kosten unter 0,2 % p.a. Ob die Anbieter des Altersvorsorgedepots dieses Niveau erreichen, entscheidet sich mit den ersten konkreten Angeboten – der 1,0-%-Deckel gilt nur für das Standardprodukt (Stand der Anbieterlandschaft).
Die Beispielrechnung: 150 € über 30 Jahre
Zur Größenordnung eine vereinfachte Modellrechnung (6 % Marktrendite p.a., vor Produktkosten): Wer 30 Jahre lang 150 € monatlich in einen ETF-Sparplan einzahlt, kommt auf ein Endkapital von rund 147.000 € – auf die Gewinne fallen bei der Entnahme Abgeltungsteuer (mit Teilfreistellung) an. Im Altersvorsorgedepot arbeiten dank 540 € jährlicher Zulage effektiv 195 € pro Monat: Endkapital rund 191.000 €, das erst bei Auszahlung mit dem persönlichen Satz versteuert wird.
Der Zulagen- und Stundungsvorteil ist real – aber kein Selbstläufer: Hohe Produktkosten können ihn auffressen, und die nachgelagerte Besteuerung trifft die volle Auszahlung, nicht nur die Gewinne. Entscheidend sind dein Steuersatz heute vs. im Alter und die Kostendifferenz der Produkte. Genau das kannst du mit dem Rechner auf vorsorgecheck.app für deine Zahlen durchspielen.
Fazit: Warum „beides“ oft die Antwort ist
Die Frage ist kein Entweder-oder. Eine sinnvolle Arbeitsteilung für viele Sparer:
- Altersvorsorgedepot bis zur Förderhöchstgrenze (1.800 € im Jahr): Hier sind Zulagen und Steuerstundung unschlagbar – dieses Geld ist mental ohnehin für die Rente reserviert.
- ETF-Sparplan für alles darüber hinaus: maximale Flexibilität für mittelfristige Ziele und als frei verfügbare Reserve.
Wer bisher gar nicht gefördert wurde – etwa Selbstständige – bekommt mit dem Altersvorsorgedepot erstmals Zugang zum Fördertopf und sollte den Start 2027 fest einplanen. Die Grundlagen dazu: Was ist das Altersvorsorgedepot?