Stand: 9. Juli 2026Vergleich

Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente: Was ändert sich wirklich?

Das Altersvorsorgedepot wird oft als „Riester 2.0“ bezeichnet – tatsächlich ändert die Reform aber fast jede Stellschraube: Garantie, Anlageuniversum, Zulagenlogik, Kosten und Auszahlungsformen. Dieser Vergleich zeigt Punkt für Punkt, was sich ändert und was das für dein Endkapital bedeuten kann.

Der direkte Vergleich in der Tabelle

Riester-Rente (alt)Altersvorsorgedepot (ab 2027)
Beitragsgarantie100 % zwingendkeine (optional 80 % / 100 % als Garantieprodukt)
Aktienquotefaktisch stark begrenztbis zu 100 % Aktien-ETFs möglich
Grundzulage175 € fixbis zu 540 € (50 % / 25 % beitragsproportional)
Kinderzulage185 € / 300 € je nach Geburtsjahreinheitlich 300 € pro Kind
Mindestbeitrag4 % des Vorjahresbruttos (kompliziert)120 € pro Jahr (einfach)
Förderberechtigtev. a. GRV-Pflichtversicherte & Beamtezusätzlich Selbstständige & Versorgungswerke
Kostenoft hohe Abschluss-/VertriebskostenStandarddepot: Effektivkosten max. 1,0 % p.a.
AuszahlungVerrentungszwang (Leibrente)Leibrente oder Auszahlungsplan bis 85+, 30 % Einmalbetrag
Steuern Ansparphasesteuerfreisteuerfrei

Garantie: Sicherheit hatte ihren Preis

Die 100-Prozent-Beitragsgarantie war der Konstruktionsfehler der Riester-Rente: Damit zu Rentenbeginn garantiert alle Beiträge vorhanden sind, mussten Anbieter den Großteil des Kapitals in sichere, renditearme Anleihen stecken – in der Niedrigzinsphase blieb nach Kosten real oft ein Verlustgeschäft. Das Altersvorsorgedepot löst diese Bremse: Wer 30 Jahre Anlagehorizont hat, kann die Schwankungen des Aktienmarkts aushalten und wird historisch dafür mit deutlich höheren Renditen belohnt. Wichtig zur Ehrlichkeit: Es gibt keine Renditegarantie – Verluste sind möglich, das Risiko trägst du.

Zulagen: mehr Geld, einfachere Regeln

Statt starrer 175 € Grundzulage gibt es künftig bis zu 540 € – und der Fördersatz ist bewusst degressiv gestaltet: 50 % auf die ersten 360 €, 25 % bis 1.800 €. Kleine Sparraten werden also am stärksten gefördert. Zusammen mit dem einfachen Sockelbetrag von 120 €/Jahr (statt der 4-%-Formel) wird die Förderung erstmals wirklich planbar. Alle Details und Beispielrechnungen: Förderung im Altersvorsorgedepot.

Kosten: Deckel statt Provisionsdschungel

Riester-Produkte krankten an Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und teuren Versicherungsmänteln. Das neue System setzt dagegen:

  • ein Standarddepot mit Effektivkostendeckel von 1,0 % p.a., das jeder Anbieter führen muss und das online ohne Beratung abschließbar ist,
  • Abschlusskosten, die über die gesamte Laufzeit verteilt werden müssen,
  • kostenlosen Anbieterwechsel nach fünf Jahren (max. 150 € Pauschale beim neuen Anbieter),
  • standardisierte Produktdaten als Basis für Vergleichsplattformen.

Zum Vergleich: Marktübliche Welt-ETFs kosten unter 0,2 % pro Jahr. Der 1,0-%-Deckel ist also eine Obergrenze für das Standardprodukt – wer selbst vergleicht, dürfte deutlich günstiger fahren.

Auszahlung: endlich Wahlfreiheit

Riester bedeutete Verrentungszwang: Das Kapital floss in eine oft magere Leibrente, kalkuliert mit vorsichtigen Sterbetafeln. Das Altersvorsorgedepot bietet ab 65 die Wahl zwischen lebenslanger Leibrente und einem Auszahlungsplan bis mindestens 85 – bei dem nicht verbrauchtes Kapital investiert bleibt und vererbbar ist. Dazu kommen bis zu 30 % Teilkapitalauszahlung zum Start, ohne Zweckbindung. Alle Regeln im Detail: Auszahlphase im Altersvorsorgedepot.

Fazit: Für wen was passt

Das Altersvorsorgedepot ist die bessere Wahl für alle, die noch 15+ Jahre bis zur Rente haben, Renditechancen nutzen wollen und mit Marktschwankungen leben können – also für die große Mehrheit der Erwerbstätigen. Wer kurz vor der Rente steht oder Garantien psychologisch braucht, findet in den neuen 80-/100-%-Garantieprodukten eine (renditeschwächere) Alternative.

Für bestehende Riester-Verträge gilt: nicht kündigen, sondern die Optionen prüfen – vom Förderwechsel bis zum förderunschädlichen Übertrag. Wie das geht, steht im Artikel Riester übertragen oder behalten?

Wie viel Förderung steckt für dich drin?

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Quellen & weiterführende Links

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