Der direkte Vergleich in der Tabelle
| Riester-Rente (alt) | Altersvorsorgedepot (ab 2027) | |
|---|---|---|
| Beitragsgarantie | 100 % zwingend | keine (optional 80 % / 100 % als Garantieprodukt) |
| Aktienquote | faktisch stark begrenzt | bis zu 100 % Aktien-ETFs möglich |
| Grundzulage | 175 € fix | bis zu 540 € (50 % / 25 % beitragsproportional) |
| Kinderzulage | 185 € / 300 € je nach Geburtsjahr | einheitlich 300 € pro Kind |
| Mindestbeitrag | 4 % des Vorjahresbruttos (kompliziert) | 120 € pro Jahr (einfach) |
| Förderberechtigte | v. a. GRV-Pflichtversicherte & Beamte | zusätzlich Selbstständige & Versorgungswerke |
| Kosten | oft hohe Abschluss-/Vertriebskosten | Standarddepot: Effektivkosten max. 1,0 % p.a. |
| Auszahlung | Verrentungszwang (Leibrente) | Leibrente oder Auszahlungsplan bis 85+, 30 % Einmalbetrag |
| Steuern Ansparphase | steuerfrei | steuerfrei |
Garantie: Sicherheit hatte ihren Preis
Die 100-Prozent-Beitragsgarantie war der Konstruktionsfehler der Riester-Rente: Damit zu Rentenbeginn garantiert alle Beiträge vorhanden sind, mussten Anbieter den Großteil des Kapitals in sichere, renditearme Anleihen stecken – in der Niedrigzinsphase blieb nach Kosten real oft ein Verlustgeschäft. Das Altersvorsorgedepot löst diese Bremse: Wer 30 Jahre Anlagehorizont hat, kann die Schwankungen des Aktienmarkts aushalten und wird historisch dafür mit deutlich höheren Renditen belohnt. Wichtig zur Ehrlichkeit: Es gibt keine Renditegarantie – Verluste sind möglich, das Risiko trägst du.
Zulagen: mehr Geld, einfachere Regeln
Statt starrer 175 € Grundzulage gibt es künftig bis zu 540 € – und der Fördersatz ist bewusst degressiv gestaltet: 50 % auf die ersten 360 €, 25 % bis 1.800 €. Kleine Sparraten werden also am stärksten gefördert. Zusammen mit dem einfachen Sockelbetrag von 120 €/Jahr (statt der 4-%-Formel) wird die Förderung erstmals wirklich planbar. Alle Details und Beispielrechnungen: Förderung im Altersvorsorgedepot.
Kosten: Deckel statt Provisionsdschungel
Riester-Produkte krankten an Abschlussprovisionen, Verwaltungsgebühren und teuren Versicherungsmänteln. Das neue System setzt dagegen:
- ein Standarddepot mit Effektivkostendeckel von 1,0 % p.a., das jeder Anbieter führen muss und das online ohne Beratung abschließbar ist,
- Abschlusskosten, die über die gesamte Laufzeit verteilt werden müssen,
- kostenlosen Anbieterwechsel nach fünf Jahren (max. 150 € Pauschale beim neuen Anbieter),
- standardisierte Produktdaten als Basis für Vergleichsplattformen.
Zum Vergleich: Marktübliche Welt-ETFs kosten unter 0,2 % pro Jahr. Der 1,0-%-Deckel ist also eine Obergrenze für das Standardprodukt – wer selbst vergleicht, dürfte deutlich günstiger fahren.
Auszahlung: endlich Wahlfreiheit
Riester bedeutete Verrentungszwang: Das Kapital floss in eine oft magere Leibrente, kalkuliert mit vorsichtigen Sterbetafeln. Das Altersvorsorgedepot bietet ab 65 die Wahl zwischen lebenslanger Leibrente und einem Auszahlungsplan bis mindestens 85 – bei dem nicht verbrauchtes Kapital investiert bleibt und vererbbar ist. Dazu kommen bis zu 30 % Teilkapitalauszahlung zum Start, ohne Zweckbindung. Alle Regeln im Detail: Auszahlphase im Altersvorsorgedepot.
Fazit: Für wen was passt
Das Altersvorsorgedepot ist die bessere Wahl für alle, die noch 15+ Jahre bis zur Rente haben, Renditechancen nutzen wollen und mit Marktschwankungen leben können – also für die große Mehrheit der Erwerbstätigen. Wer kurz vor der Rente steht oder Garantien psychologisch braucht, findet in den neuen 80-/100-%-Garantieprodukten eine (renditeschwächere) Alternative.
Für bestehende Riester-Verträge gilt: nicht kündigen, sondern die Optionen prüfen – vom Förderwechsel bis zum förderunschädlichen Übertrag. Wie das geht, steht im Artikel Riester übertragen oder behalten?