Das Wichtigste in Kürze
- Das Altersvorsorgedepot ist ein zertifiziertes Wertpapierdepot mit staatlicher Förderung. Es ersetzt die Riester-Rente für Neuverträge ab 2027.
- Bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr: 50 Cent je gespartem Euro bis 360 € Eigenbeitrag, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 €. Dazu kommen 300 € Kinderzulage pro Kind und einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus.
- Keine Beitragsgarantie mehr nötig: Eine Aktien-ETF-Quote von bis zu 100 % ist erlaubt. Wer Sicherheit will, kann weiterhin Garantieprodukte (80 % oder 100 %) wählen.
- In der Ansparphase fallen keine Steuern auf Erträge und Wertsteigerungen an. Besteuert wird erst die Auszahlung im Alter – meist zu einem niedrigeren persönlichen Steuersatz.
- Das Gesetz ist beschlossen: Bundestag am 27. März 2026, Bundesrat am 8. Mai 2026. Marktstart ist der 1. Januar 2027.
Wie funktioniert das Altersvorsorgedepot?
Die Grundidee ist einfach: Du eröffnest bei einem zertifizierten Anbieter – etwa einer Bank, einem Broker oder einer Fondsgesellschaft – ein spezielles Altersvorsorgedepot und zahlst regelmäßig ein. Dein Geld fließt in Kapitalmarktanlagen wie ETFs oder aktiv gemanagte Fonds. Eine gesetzliche Positivliste legt abschließend fest, welche Anlageformen zulässig sind.
Der Staat fördert dich dabei auf zwei Wegen: über direkte Zulagen, die zusätzlich zu deinen Beiträgen ins Depot fließen, und über den Sonderausgabenabzug in der Steuererklärung. Das Finanzamt prüft automatisch, was für dich günstiger ist (Günstigerprüfung). Details und Beispielrechnungen findest du im Artikel zur Förderung im Altersvorsorgedepot.
Der zweite große Hebel ist die Steuerlogik: Während der gesamten Ansparphase bleiben Kursgewinne, Dividenden und Umschichtungen steuerfrei – anders als im normalen Depot fallen weder Abgeltungsteuer noch Vorabpauschale an. Der Zinseszins arbeitet dadurch ungebremst. Erst in der Rentenphase wird nachgelagert mit deinem dann gültigen persönlichen Steuersatz besteuert. Mehr dazu im Artikel Steuern beim Altersvorsorgedepot.
Ausgezahlt wird frühestens ab 65: wahlweise als lebenslange Rente oder als Auszahlungsplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr, dazu optional bis zu 30 % des Kapitals als Einmalbetrag. Alle Regeln stehen im Artikel zur Auszahlphase.
Was ist neu gegenüber Riester?
Die Riester-Rente verlangte von Anbietern eine 100-Prozent-Beitragsgarantie: Zu Rentenbeginn musste mindestens die Summe aller Einzahlungen zur Verfügung stehen. Das klang sicher, zwang die Anbieter aber in renditeschwache Anlagen und machte die Produkte teuer. Das Altersvorsorgedepot verzichtet bewusst auf diese Garantie und gibt dafür die vollen Renditechancen des Aktienmarkts frei.
Auch die Förderlogik wurde umgebaut: Statt der starren Grundzulage von 175 € gibt es jetzt eine beitragsproportionale Zulage mit besonders hohem Fördersatz auf die ersten Sparbeträge. Der komplizierte einkommensabhängige Mindesteigenbeitrag entfällt – es genügt ein Sockelbetrag von 120 € pro Jahr (10 € im Monat). Und der Kreis der Förderberechtigten wird deutlich größer: Erstmals sind auch Selbstständige, Freiberufler und Pflichtmitglieder berufsständischer Versorgungswerke unmittelbar förderberechtigt.
Den vollständigen Punkt-für-Punkt-Vergleich findest du unter Altersvorsorgedepot vs. Riester-Rente. Was mit bestehenden Riester-Verträgen passiert, erklärt der Artikel Riester übertragen, wechseln oder behalten.
Die drei Produktvarianten
1. Altersvorsorgedepot ohne Garantie
Die renditeorientierte Variante: Dein Geld kann zu bis zu 100 % in Aktien-ETFs und andere zugelassene Anlagen fließen. Du (oder dein Anbieter) entscheidest über die Anlagestrategie. Niemand haftet für die Wertentwicklung – dein Fangnetz ist ein langer Anlagehorizont und breite Streuung.
2. Das Standarddepot: die Einfach-Lösung mit Kostendeckel
Jeder Anbieter muss ein „Standarddepot Altersvorsorge“ anbieten. Es funktioniert ohne Anlageentscheidungen und ohne Beratungspflicht: Der Anbieter legt vorab zwei Fonds fest – einen chancenreichen und einen vorsichtigen. In den Jahren vor Rentenbeginn wird automatisch schrittweise in den risikoärmeren Fonds umgeschichtet (Opt-out möglich). Die Effektivkosten sind auf maximal 1,0 % pro Jahr gedeckelt. Achtung: Günstige ETF-basierte Depots dürften deutlich darunter liegen – der Deckel ist eine Obergrenze, kein Preisversprechen.
3. Garantieprodukte (80 % oder 100 %)
Wer ein hohes Sicherheitsbedürfnis hat, kann weiterhin Produkte mit Beitragsgarantie wählen – neu in zwei Stufen: 100 % oder 80 % der Einzahlungen. Die 80-Prozent-Stufe lässt dem Anbieter mehr Spielraum für chancenreiche Anlagen. Die Garantie kostet aber wie bisher Rendite.
Für wen lohnt es sich?
Besonders attraktiv ist das Altersvorsorgedepot für drei Gruppen:
- Geringverdiener und Sparer mit kleinen Raten: Auf die ersten 360 € im Jahr (30 € im Monat) gibt es 50 % Zulage – eine sofortige, garantierte „Förderrendite“, die kein freies Depot bieten kann.
- Familien mit Kindern: 300 € Kinderzulage pro Kind und Jahr gibt es bereits ab 300 € Eigenbeitrag (25 € im Monat) – der Staat verdoppelt hier jeden Euro.
- Junge Sparer: Wer vor dem 25. Geburtstag startet, bekommt einmalig 200 € Berufseinsteigerbonus – und profitiert am längsten von der steuerfreien Ansparphase.
Auch für Selbstständige ist die Reform ein Meilenstein, weil sie erstmals Zugang zur Zulagenförderung erhalten. Gutverdiener profitieren zusätzlich vom Sonderausgabenabzug. Wer dagegen maximale Flexibilität braucht und jederzeit an sein Geld wollen könnte, sollte den Vergleich mit dem freien ETF-Sparplan lesen: Altersvorsorgedepot oder ETF-Sparplan?
Zeitplan: Was passiert wann?
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| 17.12.2025 | Bundeskabinett beschließt den Regierungsentwurf des Altersvorsorgereformgesetzes. |
| 27.03.2026 | Der Bundestag verabschiedet das Gesetz – mit nochmals verbesserter Zulagenförderung. |
| 08.05.2026 | Der Bundesrat stimmt zu; das Gesetz tritt Ende Mai 2026 in Kraft. |
| Herbst/Ende 2026 | Anbieter lassen Produkte zertifizieren; erste konkrete Konditionen werden erwartet. |
| 01.01.2027 | Marktstart: Die neuen Altersvorsorgedepots können abgeschlossen werden, die Förderung beginnt. Klassische Riester-Neuverträge sind ab jetzt nicht mehr möglich. |
Bis zum Start gilt: informieren, Fördervorteile durchrechnen und bestehende Verträge nicht voreilig kündigen. Sobald die Anbieter ihre Konditionen veröffentlichen, lohnt der Vergleich – worauf du dabei achten solltest, steht im Artikel Anbieter des Altersvorsorgedepots.