Stand Juli 2026: Was wirklich bekannt ist
Ehrlichkeit vorweg: Verbindliche Produkte, Preise und Starttermine gibt es noch kaum. Die Anbieter durchlaufen derzeit die Vorbereitung auf das neue Zertifizierungsverfahren; konkrete Konditionen werden ab Herbst/Ende 2026 erwartet. Einzelne Banken und Broker haben Interesse signalisiert oder erste Eckdaten kommuniziert – solche Ankündigungen sind aber bis zur Zertifizierung unverbindlich. Wir aktualisieren diese Seite, sobald es belastbare Angebote gibt.
Gut für Vergleicher: Das Gesetz verpflichtet alle Anbieter, ihre Produktdaten standardisiert Dritten zur Verfügung zu stellen – die Grundlage für unabhängige Vergleichsplattformen, die zum Marktstart entstehen dürften.
Wer darf das Altersvorsorgedepot anbieten?
Anbieten dürfen nur Institute mit einem zertifizierten Produkt: Die Zertifizierungsstelle beim Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) prüft, ob der Vertrag die gesetzlichen Kriterien erfüllt. Neu ab 2027: Die Zertifizierung erfolgt beschleunigt ohne vollständige Vorabprüfung, dafür unter Widerrufsvorbehalt. Infrage kommen als Anbieter:
- Banken und Sparkassen mit klassischem Depotgeschäft,
- Neobroker und Direktbanken, die das günstige ETF-Sparen etabliert haben,
- Fondsgesellschaften (KVGen) mit eigenen Fondspaletten,
- Versicherer – vor allem für Garantieprodukte und die Verrentung,
- perspektivisch ein öffentlicher Träger: Das Gesetz erlaubt der Bundesregierung, per Verordnung ein staatlich organisiertes Standarddepot zu beauftragen – diese Verordnung liegt bislang nicht vor.
Das Standarddepot: Pflichtangebot mit Kostendeckel
Jeder Anbieter geförderter Produkte muss ein „Standarddepot Altersvorsorge“ führen (oder das eines Kooperationspartners vertreiben). Seine Eckpunkte:
- Effektivkosten maximal 1,0 % pro Jahr – gemessen als durchschnittliche jährliche Renditeminderung durch alle Kosten,
- zwei vorab festgelegte Fonds (chancenreich + vorsichtig) mit automatischer Umschichtung in den risikoärmeren Fonds in den Jahren vor Rentenbeginn (Opt-out möglich),
- Online-Abschluss ohne Beratungspflicht – gedacht als niedrigschwelliger Einstieg für alle, die sich nicht mit Fondsauswahl befassen wollen.
Wichtig zur Einordnung: 1,0 % ist eine Obergrenze, kein Marktpreis. Breite Welt-ETFs kosten unter 0,2 % pro Jahr – bei günstigen Depot-Anbietern dürften selbst konfigurierte Altersvorsorgedepots deutlich unter dem Deckel liegen. Über 30 Jahre macht ein Kostenunterschied von 0,8 Prozentpunkten schnell einen fünfstelligen Betrag beim Endkapital aus.
Die 6 wichtigsten Vergleichskriterien
- Effektivkosten: Depotführung, Fonds-/ETF-Kosten, Transaktionsgebühren – entscheidend ist die Gesamtkostenquote über die Laufzeit.
- Anlageauswahl: Welche ETFs und Fonds von der gesetzlichen Positivliste sind verfügbar? Gibt es kostengünstige Welt-ETFs?
- Flexibilität: Sparraten ändern, aussetzen, Einmalzahlungen – geht das kostenlos und digital?
- Auszahlungsoptionen: Bietet der Anbieter Auszahlungsplan und Leibrente (ggf. über Partner) zu fairen Konditionen? Zur Not: Zu Rentenbeginn ist ein Wechsel möglich (Details zur Auszahlphase).
- Riester-Übertrag: Nimmt der Anbieter bestehende Riester-Guthaben unkompliziert an (so funktioniert der Übertrag)?
- Service & Zulagenabwicklung: Automatischer Dauerzulageantrag, verständliches Reporting, deutschsprachiger Support.
Anbieterwechsel: die neuen Regeln
Wer sich 2027 für einen Anbieter entscheidet, ist nicht gefangen: Abschlusskosten müssen über die gesamte Ansparphase verteilt werden, nach fünf Jahren ist der Wechsel beim abgebenden Anbieter kostenfrei, und der neue Anbieter darf maximal 150 € Verwaltungspauschale verlangen. Das dämpft das Risiko, beim Marktstart aufs falsche Pferd zu setzen.
So bereitest du dich vor
- Fördervorteil beziffern: Rechne aus, welche Zulagen dir zustehen – das definiert, wie dringend der Start am 1. Januar 2027 für dich ist (Förderung im Detail).
- Bestehende Verträge sichten: Riester-Sparer sollten jetzt Kosten und Garantien ihres Altvertrags klären, aber nicht kündigen.
- Herbst 2026 abwarten: Dann kommen die ersten zertifizierten Angebote samt standardisierter Kostenausweise – und ein seriöser Vergleich wird möglich.